Geographien | doing geography

Räumlichkeiten & Zeitlichkeiten, Personen, Dinge & Tun | Notes on the creation of social space

Georgien im Wandel

Georgien wurde in den letzten Jahren als eine der wichtigste touristischen Destinationen weltweit eingestuft. Über zwei Millionen Besucher*innen wollen kennenlernen, was Georgien aus Perspektive der internationalen Tourismusindustrie ausmacht: vielfältige und artenreiche Naturlandschaften, ein reiches bauliches historisches Erbe und eine außergewöhnliche Gastfreundschaft.

Die folgenden Beiträge bieten Einblicke und Analysen in gesellschaftliche Prozesse in Georgien aus einer geografischen Perspektive. Das bedeutet, dass alle Artikel den sozialen Raum und die sich darin vollziehenden Praktiken untersuchen. Dies umfasst sowohl den gebauten als auch den nicht gebauten Raum und alle Kommunikationen über Orte und Räume. Es ist wichtig zu betonen, dass die hier gegebenen Einblicke immer auch Ansichten von außen beinhalten müssen, da der Autor weder Muttersprachler ist noch dauerhaft in Georgien lebt.

#Architektur

Umstrittene Weltkultur – Konflikte über das bauliche Erbe Georgiens am Beispiel der Bagrati-Kathedrale in Kutaisi

Georgien hat drei Welterbestätten, die für die weltweite Anerkennung der georgischen Geschichte und seiner Kultur von großer Bedeutung sind. Um alle drei Stätten ranken sich jedoch intensive Konflikte zwischen staatlichen, religiösen und wirtschaftlichen Akteuren und der UNESCO. Diese Konflikte führen dazu, dass 15 weitere Orte und Regionen in Georgien seit mittlerweile dreizehn Jahren auf der […]

Poti | Die wartende Stadt (Georgien)

Die nördlich von Batumi am Schwarzen Meer gelegene Hafenstadt Poti ist in vielerlei Hinsicht eine wartende Stadt. Die Einwohner Potis warten seit dem Niedergang des Hafens und einer langen Stagnationsphase in den 1990er Jahren darauf, dass die Stadt, die als westlicher Ausgangspunkt der Bahnstrecke Poti-Baku den zweitgrößten Hafen nach Batumi besitzt, ihre frühere Bedeutung zurückerlangt. […]

Umstrittene Weltkultur – Konflikte über das bauliche Erbe Georgiens am Beispiel der Klosteranlage von Gelati in Kutaisi

Georgien hat drei Welterbestätten, die für die weltweite Anerkennung der georgischen Geschichte und seiner Kultur von großer Bedeutung sind. Um alle drei Stätten ranken sich jedoch intensive Konflikte zwischen staatlichen, religiösen und wirtschaftlichen Akteuren und der UNESCO. Seit 2010 war die Anerkennung der Klosteranlage Gelati nordöstlich von Kutaisi in Gefahr, weil die baulichen Veränderungen an […]

#Forschung

Tskaltubo | Projektziele und Forschungsansatz (Georgien)

Das im Westen Georgiens in der Region Imeretien gelegene Tskaltubo verzeichnet seit etwa 2010 einen langsam zunehmenden Tourismus, den der georgische Staat durch internationale Partnerschaften anzuschieben versucht. Wegen der sowjetischen […]

#Tskaltubo

Tskaltubo | Wie zeigt sich Armut? Der Basar Tskaltubos als Ausdruck der Lebensbedingungen von Binnenflüchtlingen aus Abchasien

Im Westen Georgiens ist der weithin verfallene Kurort Tskaltubo einer der Orte, dessen Entwicklung der georgische Staat durch internationale Partnerschaften anzuschieben versucht. Wegen der Besiedelung der Sanatorien und Erholungsheime durch Binnenflüchtlinge in Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Abchasien 1992/93 ist dessen Entwicklung bis heute behindert. In Tskaltubo gehören die Binnenflüchtlinge zur Gruppe der besonders gefährdeten, […]

Der Kurort Tskaltubo | Ein Blick zurück auf das Bädersystem der Sowjetunion

Das 15 km nordwestlich von Kutaissi, der zweitgrößten Stadt Georgiens gelegene Tskaltubo war in der Sowjetzeit einer der größten Kurorte der Sowjetunion. Dieser umfasste in den 1970er Jahren „rund 6000 Sanatorien, Prophylaktorien und Pensionate, in […] [welchen] jährlich an die 13 Millionen Menschen versorgt wurden; […] rund 90 Prozent zu privilegierten Bedingungen auf Staatskosten“ (Schlögel […]

#Politik & #Gesellschaft

Als Folge des Zusammenbruchs der Sowjetunion spalteten sich im Jahr 1989 Abchasien und Südossetien mit massiver russischer Unterstützung vom Gebiet der bis dahin bestehenden Georgischen Sowjetrepublik ab. Unter dem 1991 ersten gewählten Staatspräsidenten Swiad Gamsachurdia versank das Land im Chaos. Sein nationalistischer Kurs spaltete die verschiedenen Ethnien, paramilitärische Einheiten und kriminelle Banden übernahmen die Kontrolle über das Land. Nach der Übergangsphase eines Militärrates kehrte Eduard Schewardnadse, der ehemalige sowjetische Außenminister unter Mikhail Gorbatschow, nach Georgien zurück und übernahm im Oktober 1992 das Amt des Staatsvorsitzenden. Ihm gelang es die Milizenführer auszumanövrieren und das Land aus dem Chaos zu führen. Im Umgang mit den Sezessionskriegen in Abchasien und Südossetien wird ihm heute Unvermögen vorgeworfen, einige seiner Maßnahmen waren gewiss nicht mit westlichen rechtsstaatlichen Vorstellungen vereinbar – dennoch bereitete er den Weg für die heutigen demokratischen und zivilgesellschaftlichen Strukturen. Am Ende klammerte aber wohl auch er sich zu stark an die Macht, was 2003 nach offenkundiger Manipulation der Wahlen zu seinem Sturz führte, Neuwahlen im Jahr 2004 brachten Mikhail Saakaschwili an die Macht. Dieter Boden, langjähriger Mitarbeiter des Auswärtigen Amts und Leiter von OSZE- und UN-Missionen in Georgien, meint, dass es noch Jahrzehnte dauern werde, ehe man die Amtszeiten Eduard Schewardnadses und Mikhail Saakaschwilis vollständig bewerten kann. Einerseits führten sie Georgien in eine an grundlegenden demokratischen Prinzipien orientierte Rechtsstaatlichkeit und öffneten sie in Richtung der westlichen Demokratien, andererseits waren sie an der Entstehung von gesellschaftlichen Verwerfungen und politischen Konflikten beteiligt, die noch lange nachwirken werden.

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