Schlagwort-Archive: Georgien

Porträt | Teimuraz Nizharadze – Der letzte Direktor der Sowchose (Ushguli, Georgien)

Teimuraz Nizahradze war die letzten beiden Jahre, bis das Sowjetsystem zusammenbrach, Leiter der Sowchose in Ushguli gewesen. Ackerbau und Viehzucht sicherten in Swanetien, das von zwei langgezogenen Gebirgsflüssen geprägt ist, schon immer die Lebensgrundlagen der Menschen.

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Ushguli | Das architektonische Weltkulturerbe Swanetiens – ein Überblick

Annäherung an den gebauten Raum in Ushguli

In einem Essay über die Ortsteile Ushgulis hebt der italienische Architekt Vinzenzo Pavan (2011), dessen Ausführungen hier gefolgt wird, die auf den ersten Blick irritierenden Ähnlichkeiten mit der baulichen Struktur der Stadtstaaten Italiens aus dem 13. Jahrhundert hervor: Gruppen von Türmen und angelehnten Steingebäuden, deren Anordnung keiner sogleich erkennbaren Logik folgt, hingeworfen in kompakten, scharf von der Umgebung abgetrennten Siedlungseinheiten, welche wegen ihrer Bauweise aus massigen Schieferplatten und Kalksteinbruch beim Betrachter den Eindruck von Festungen hervorrufen. Ushguli | Das architektonische Weltkulturerbe Swanetiens – ein Überblick weiterlesen

Porträt | Pridon Nizharadze – Maler der Traumata Swanetiens und der Welt (Ushguli, Georgien)

Das Haus ist das letzte am Hang. Darüber nur die Kapelle mit der Ikone des Heiligen Georg. Etwas weiter das Kloster. Es ist wenig, was sie sagen über ihn in Ushguli. Nichts gebe es, das er nicht gelesen habe. Er sei der klügste Mensch in Ushguli. So klug! Und sie heben die Hand und winken weit in die Ferne, um zu zeigen, dass nicht sie dies beurteilen könnten. Ihr habt nur Kartoffeln im Kopf! Das soll er vielen schon entgegengeworfen haben. Was Arbeit aber sei, das könne er nicht wissen. Denn, was er tue, sei doch nicht Arbeit. Ein kurzes Erschrecken. Denn nichts Schlechtes sagen sie in Ushguli über den anderen. Wer könne schon wissen, wohin das führe. Die Menschen seien eben verschieden.

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Tskaltubo | Wie zeigt sich Armut? Der Basar Tskaltubos als Ausdruck der Lebensbedingungen von Binnenflüchtlingen aus Abchasien

Im Westen Georgiens ist der weithin verfallene Kurort Tskaltubo einer der Orte, dessen Entwicklung der georgische Staat durch internationale Partnerschaften anzuschieben versucht. Wegen der Besiedelung der Sanatorien und Erholungsheime durch Binnenflüchtlinge in Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Abchasien 1992/93 ist dessen Entwicklung bis heute behindert. In Tskaltubo gehören die Binnenflüchtlinge zur Gruppe der besonders gefährdeten, in Armut lebenden Menschen in Georgien. Am Beispiel des Basars Tskaltubos lassen sich grundlegende strukturelle, bis heute nicht gelöste Probleme von Armut in Georgien nachzeichnen. Tskaltubo | Wie zeigt sich Armut? Der Basar Tskaltubos als Ausdruck der Lebensbedingungen von Binnenflüchtlingen aus Abchasien weiterlesen

Ushguli | Projektziele und Forschungsansatz (Georgien)

In Georgien lebt der Großteil der Bevölkerung in prekären Lebensverhältnissen. Seit einigen Jahren allerdings eröffnet ein sich stabilisierender Tourismus Entwicklungsperspektiven für einige Menschen. Dies sind zunächst diejenigen, die das Grundeigentum, welches sie nach der Privatisierung staatlicher Arbeiterwohnstätten und der Rückgabe der Hofstätten aus den staatlichen Agrarbetrieben erhielten, nicht durch Krieg oder ökonomische Krisen verloren. Begünstigt sind diesbezüglich etablierte Tourismusorte wie Tbilisi, Kutaissi, Borjomi oder Batumi, in denen die Menschen schon während der Sowjetzeit Privatzimmer vermieteten und die nicht innerhalb der Konflikregionen Abchasien und Südossetien liegen. Meist sind jedoch hohe Investitionen und damit Schuldenaufnahmen notwendig, um für Touristen aus europäischen Staaten, den USA oder Israel einen angemessenen Standard zu erreichen.
Im in Ober-Swanetien gelegenen Ushguli bietet der Tourismus heute letztlich die einzige Möglichkeit, ein Haushaltseinkommen zu erzielen, das eine mehrköpfige Familie, die zumeist aus ökonomischen und sozialen Gründen über mehrere Orte in Georgien verteilt lebt, zu versorgen, da die Preise für Fleisch, Wolle und Milchprodukte in Folge der hohen Bedeutung der Subsistenzlandwirtschaft in Georgien überaus niedrig sind. Möchte eine Familie also ihre Hofstelle erhalten, muss sie Touristen als Gäste bekommen oder in solch prekären Verhältnissen leben, dass z. B. Versorgung im Krankheitsfall ausgeschlossen oder eine weiterführende Schulbildung für die Kinder ausgeschlossen ist. Ushguli | Projektziele und Forschungsansatz (Georgien) weiterlesen

Tskaltubo | Projektziele und Forschungsansatz (Georgien)

Das im Westen Georgiens in der Region Imeretien gelegene Tskaltubo verzeichnet seit etwa 2010 einen langsam zunehmenden Tourismus, den der georgische Staat durch internationale Partnerschaften anzuschieben versucht. Wegen der sowjetischen Vergangenheit als Bäder- und Kurort treffen diese Bemühungen dort grundsätzlich auf Vorbereitung im Umgang mit touristischen Interessen. Allerdings ist eine solche In-Wert-Setzung Tskaltubos bis heute behindert durch die Besiedelung der verfallenden Sanatorien und Erholungsheime durch Binnenflüchtlinge in Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Abchasien und Süd-Ossetien. Zudem sind grundsätzliche infrastrukturelle Probleme bis heute nicht gelöst. So bietet sich in Tskaltubo ein Raum, in welchem unter fast laborähnlichen Bedingungen untersucht werden kann, wie sich Tourismus als Bewältigungsstrategie ökonomischer und sozialer Krisen auf räumliche ökonomische, ökologische und soziale Strukturen auswirkt, wobei alle Beteiligten im Feld materielle und geistige Objekte umgestalten. Tskaltubo | Projektziele und Forschungsansatz (Georgien) weiterlesen

Tskaltubo | Ein ehemaliger Kurort zwischen Armutstourismus und Bädertourismus (Georgien)

Tskaltubo liegt 15 km nordwestlich von Kutaissi, der zweitgrößten Stadt Georgiens. In der Sowjetzeit war Tskaltubo einer der größten Kurorte des Republikverbundes. In den 1970er Jahren umfasste das Kurangebot der Sowjetrepubliken „rund 6000 Sanatorien, Prophylaktorien und Pensionaten, in dem jährlich an die 13 Millionen Menschen versorgt wurden; […] rund 90 Prozent zu privilegierten Bedingungen auf Staatskosten“ (Schlögel 2017, 305 unter Bezug auf Kozlov 1979). Wegen seiner leicht radioaktiven Thermalquellen wurde Tskaltubo bereits seit dem 19. Jahrhundert als Heilbad betrieben. Im Zuge der sowjetischen Kurortpolitik, die zuvorderst der Aufrechterhaltung der sozialistischen Arbeitskraft diente, baute man es zwischen 1939 und 1955 auf. Dabei entstanden historisierende Gebäudekomplexe im Stil des sowjetischen Neo-Klassizismus – in einer zweiten Hochphase der 1970er Jahre wurde Tskaltubo dann architektonisch im Stil der sowjetischen Moderne ausgebaut. Tskaltubo | Ein ehemaliger Kurort zwischen Armutstourismus und Bädertourismus (Georgien) weiterlesen

Ushguli | Tourismus als Bewältigungsstrategie ökonomischer und sozialer Krisen (Georgien)

In sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht ist Ober-Swanetien seit 1990 eine in besonderem Maße von Krisen geschüttelte Region: Grundsätzlich wegen der Begrenztheit Ihrer landwirtschaftlichen und sonstigen ökonomischen Möglichkeiten als Gebirgs- und Grenzertragsregion; weiterhin durch die Entfernung von den politischen und wirtschaftlichen Zentren und zudem durch die erst seit den letzten Jahren der Sakaschwili-Regierung (2004-2013) durchgesetzte äußere Sicherheit in Ober-Swanetien. Ushguli | Tourismus als Bewältigungsstrategie ökonomischer und sozialer Krisen (Georgien) weiterlesen

Ushguli | Türme, Berge, Hammer & Sichel – Was gehört zum kulturellen Erbe der Dorfgemeinschaft Ushguli in Georgien?

Die Dorfgemeinschaft Ushguli liegt im Norden Georgiens in Oberswanetien und wurde 1996 mit dem Ortsteil Chazhashi zum UNESCO-Welterbe erklärt. Seit etwa 2010 nimmt der Tourismus in der Bergregion stetig zu. Die Einheimischen sind aber nur begrenzt vorbereitet auf den Umgang mit typischen touristischen Interessen. Die meisten Angebote sind wegen der begrenzten finanziellen Ressourcen vor Ort nach wie vor improvisiert, was zugleich den besonderen Charme eines Aufenthalts in der Bergregion ausmacht. Entsprechend ungeordnet treffen hier allerdings auch einander oft in weiten Bereichen entgegengesetzte Interessen von Dorfbewohnern und Touristen aufeinander – auch wenn die wirtschaftlichen Interessen der Dorfbewohner den touristischen Zustrom fortschreitend beschleunigen. Vor allem ist davon das architektonische Erbe betroffen, das einen bedeutenden Teil der Vorstellung der Menschen davon ausmacht, wer sie sind. Ushguli | Türme, Berge, Hammer & Sichel – Was gehört zum kulturellen Erbe der Dorfgemeinschaft Ushguli in Georgien? weiterlesen