Land Räume

„Dass das Dorf ein bevorzugter Ort des guten Lebens ist oder sein könnte, dürfte wohl für Sie alle auf der Hand liegen: Bauernhäuser, die sich um einen Dorfplatz scharen, eine Flur, die eingebettet in der Naturlandschaft liegt, selbstbewusste, querköpfige Menschen, die gleichberechtigt zusammenleben und sich wechselseitig in Notsituationen Beistand leisten, der Feierabend auf der Bank vor dem Haus mit Glockengeläut vom nahen Kirchturm – bei solchen Bildern dürften viel Menschen das ‚gute Leben‘ riechen, schmecken und anschaulich vor sich sehen.“ (Bätzing 2007, 103, zit. nach Rössel 2014, 43)

Eine nostalgische Sehnsucht nach dem Ländlichen, hier als Raumproduktion des Ländlichen unter LAND RÄUME gefasst, ist meist als das Andere im Gegensatz zur Stadt konstruiert. Damit einher gehen Vorstellungen von einem Leben nahe der Natur, das manchmal mit Entwicklungsrückstand verbunden wird, manchmal als Rückkehr zum Kern zivilisatorischer Ideale verstanden werden soll.

„In short, people act on or through their understanding of rurality in their everyday lives and the rural world is pertly produced thus.“ (Halfacree 2009, 451)

Während städtisches Leben als Leben in Gesellschaft von Fremden gesehen wird, finde das ländliche Leben in einer Gemeinschaft statt, deren Mitgliedschaft zwar nicht frei wählbar sei, die aber, anders als städtische Gesellschaft mit Wertsicherheit und Orientierung verbunden sei. Aus einer Gegenperspektive steht der ländliche Raum für Rückständigkeit, Religiosität, allgemein für Traditionalismus und Konservatismus.

„Am augenscheinlichsten ist die raumbezogene Ebene, etwa ›ländlich/städtisch‹, die durch weitere Zuschreibungen konkretisiert wird, z.B. ›einfach‹, ›naturnah‹, ›entschleunigt‹, ›heilend‹, ›authentisch‹, ›gemeinschaftlich‹, ›aktiv-selbstproduzierend‹ vs. ›komplex‹, ›naturfern‹, ›beschleunigt‹, ›schädlich‹, ›künstlich‹, ›anonym‹, ›passiv-konsumierend‹.“ (Baumann 2014, 101f.)

Sicher verändern sich LAND RÄUME auch durch die Omnipräsenz digitaler Kommunikationen, die dazu führen, dass innerhalb ländlich-peripherer Räume mehr Vorstellungen von Lebensstilen Verbreitung finden. Zugleich kommt es dadurch aber auch zu einer Verdichtung von Raumproduktionen des Ländlichen im obigen Sinne (vgl. Baumann 2016).

Die Beiträge verfolgen auf methodologisch verschiedene Weise die Frage danach, über welche kulturellen Praktiken LAND RÄUME als „vielstimmige (…) Gebilde“ (Redepenning 2009, 46) hergestellt werden.

Autor: © Stefan Applis (2018)

Bild: © Stefan Applis (2017)

Hinweis: Beiträge & Seite befinden sich im Aufbau (Oktober 2018).

Literaturhinweise:

Baumann, C. (2016): Die Lust am Ländlichen – Zur Persistenz und Variation idyllischer Ländlichkeit. In Informationen zur Raumentwicklung. Heft 2(2016), 533-543.

Baumann, C. (2014): Facetten des Ländlichen aus einer kulturgeographischen Perspektive. Die Beispiele Raumplanung und Landmagazine. In: Werner Nell & Marc Weiland (Hrsg.): Imaginäre Dörfer. Zur Wiederkehr des Dörflichen in Literatur, Film und Lebenswelt (89-109). Transkript: Bielefeld.

Halfacree, K. (2009): Rurality and Post-Rurality. In: Rob Kitchin & Nigel Thrift (Ed.): International encyclopedia of human geography, Oxford: Elsevier, S. 449-456.

Redepenning, M. (2009): Die Komplexität des Landes. Neue Bedeutungen des Ländlichen im Zuge der Counterurbanisierung. In: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 57, S. 46-56.

Rössel, J. (2014). Unterwegs zum guten Leben? Raumproduktionen durch Zugezogene in der Uckermark. Transkript: Bielefeld.

 

 

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