Archiv der Kategorie: Georgien

Poti | Die wartende Stadt (Georgien)

Die nördlich von Batumi am Schwarzen Meer gelegene Hafenstadt Poti ist in vielerlei Hinsicht eine wartende Stadt. Die Einwohner Potis warten seit dem Niedergang des Hafens und einer langen Stagnationsphase in den 1990er Jahren darauf, dass die Stadt, die als westlicher Ausgangspunkt der Bahnstrecke Poti-Baku den zweitgrößten Hafen nach Batumi besitzt, ihre frühere Bedeutung zurückerlangt. In der Zeit der Sowjetunion wurden über Poti Metallerze, Erzeugnisse der georgischen Stahlverarbeitung und unter den landwirtschaftlichen Erzeugnissen vor allem Wein exportiert. Ein nachhaltiger Aufschwung würde auch den vielen Binnenflüchtlingen helfen, die seit dem Abchasienkrieg 1992/93 in Poti in verfallenden Wohneinheiten früherer Hafenarbeiter warten.

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Porträt | Fridon Nizharadze – Maler der Traumata Georgiens (Ushguli, Georgien)

Das Haus ist das letzte am Hang. Darüber nur die Kapelle mit der Ikone des Heiligen Georg. Etwas weiter das Kloster. Es ist wenig, was sie sagen über ihn in Ushguli. Nichts gebe es, das er nicht gelesen habe. Er sei der klügste Mensch in Ushguli. So klug! Und sie heben die Hand und winken weit in die Ferne, um zu zeigen, dass nicht sie dies beurteilen könnten. Ihr habt nur Kartoffeln im Kopf! Das soll er vielen schon entgegengeworfen haben. Was Arbeit aber sei, das könne er nicht wissen. Denn, was er tue, sei doch nicht Arbeit. Ein kurzes Erschrecken. Denn nichts Schlechtes sagen sie in Ushguli über den anderen. Wer könne schon wissen, wohin das führe. Die Menschen seien eben verschieden. Porträt | Fridon Nizharadze – Maler der Traumata Georgiens (Ushguli, Georgien) weiterlesen

Tskaltubo | Wie zeigt sich Armut? Der Basar Tskaltubos als Ausdruck der Lebensbedingungen von Binnenflüchtlingen aus Abchasien

Im Westen Georgiens ist der weithin verfallene Kurort Tskaltubo einer der Orte, dessen Entwicklung der georgische Staat durch internationale Partnerschaften anzuschieben versucht. Wegen der Besiedelung der Sanatorien und Erholungsheime durch Binnenflüchtlinge in Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Abchasien 1992/93 ist dessen Entwicklung bis heute behindert. In Tskaltubo gehören die Binnenflüchtlinge zur Gruppe der besonders gefährdeten, in Armut lebenden Menschen in Georgien. Am Beispiel des Basars Tskaltubos lassen sich grundlegende strukturelle, bis heute nicht gelöste Probleme von Armut in Georgien nachzeichnen. Tskaltubo | Wie zeigt sich Armut? Der Basar Tskaltubos als Ausdruck der Lebensbedingungen von Binnenflüchtlingen aus Abchasien weiterlesen

Tskaltubo | Ein ehemaliger Kurort zwischen Armutstourismus und Bädertourismus (Georgien)

Tskaltubo liegt 15 km nordwestlich von Kutaissi, der zweitgrößten Stadt Georgiens. In der Sowjetzeit war Tskaltubo einer der größten Kurorte des Republikverbundes. In den 1970er Jahren umfasste das Kurangebot der Sowjetrepubliken „rund 6000 Sanatorien, Prophylaktorien und Pensionaten, in dem jährlich an die 13 Millionen Menschen versorgt wurden; […] rund 90 Prozent zu privilegierten Bedingungen auf Staatskosten“ (Schlögel 2017, 305 unter Bezug auf Kozlov 1979). Wegen seiner leicht radioaktiven Thermalquellen wurde Tskaltubo bereits seit dem 19. Jahrhundert als Heilbad betrieben. Im Zuge der sowjetischen Kurortpolitik, die zuvorderst der Aufrechterhaltung der sozialistischen Arbeitskraft diente, baute man es zwischen 1939 und 1955 auf. Dabei entstanden historisierende Gebäudekomplexe im Stil des sowjetischen Neo-Klassizismus – in einer zweiten Hochphase der 1970er Jahre wurde Tskaltubo dann architektonisch im Stil der sowjetischen Moderne ausgebaut. Tskaltubo | Ein ehemaliger Kurort zwischen Armutstourismus und Bädertourismus (Georgien) weiterlesen

Ushguli | Tourismus als Bewältigungsstrategie ökonomischer und sozialer Krisen (Georgien)

In sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht ist Ober-Swanetien seit 1990 eine in besonderem Maße von Krisen geschüttelte Region: Grundsätzlich wegen der Begrenztheit Ihrer landwirtschaftlichen und sonstigen ökonomischen Möglichkeiten als Gebirgs- und Grenzertragsregion; weiterhin durch die Entfernung von den politischen und wirtschaftlichen Zentren und zudem durch die erst seit den letzten Jahren der Sakaschwili-Regierung (2004-2013) durchgesetzte äußere Sicherheit in Ober-Swanetien. Ushguli | Tourismus als Bewältigungsstrategie ökonomischer und sozialer Krisen (Georgien) weiterlesen

Ushguli | Türme, Berge, Hammer & Sichel – Was gehört zum kulturellen Erbe der Dorfgemeinschaft Ushguli in Georgien?

Die Dorfgemeinschaft Ushguli liegt im Norden Georgiens in Oberswanetien und wurde 1996 mit dem Ortsteil Chazhashi zum UNESCO-Welterbe erklärt. Seit etwa 2010 nimmt der Tourismus in der Bergregion stetig zu. Die Einheimischen sind aber nur begrenzt vorbereitet auf den Umgang mit typischen touristischen Interessen. Die meisten Angebote sind wegen der begrenzten finanziellen Ressourcen vor Ort nach wie vor improvisiert, was zugleich den besonderen Charme eines Aufenthalts in der Bergregion ausmacht. Entsprechend ungeordnet treffen hier allerdings auch einander oft in weiten Bereichen entgegengesetzte Interessen von Dorfbewohnern und Touristen aufeinander – auch wenn die wirtschaftlichen Interessen der Dorfbewohner den touristischen Zustrom fortschreitend beschleunigen. Vor allem ist davon das architektonische Erbe betroffen, das einen bedeutenden Teil der Vorstellung der Menschen davon ausmacht, wer sie sind. Ushguli | Türme, Berge, Hammer & Sichel – Was gehört zum kulturellen Erbe der Dorfgemeinschaft Ushguli in Georgien? weiterlesen